Meinungen

 

Gegenüber Energiepflanzen bestehen oftmals Vorbehalte, von denen manche auf den ersten Blick auch plausibel erscheinen mögen. Doch hinter diesen Vorurteilen verbirgt sich zumeist ein ganz anderes Bild.

Die FNR hat im Rahmen der Kampagne „Energie pflanzen!“ solche Vorurteile gesammelt und Fachleute um Stellungnahmen gebeten.

Lesen Sie selber und machen Sie sich Ihr eigenes Bild:

Ist es richtig, dass durch den Anbau von Energiepflanzen Fläche für Nahrungsmittel fehlt?

Ist es richtig, dass durch den Anbau von Energiepflanzen Fläche für Nahrungsmittel fehlt?

Olaf Tschimpke (Präsident NABU)

Olaf Tschimpke (Präsident NABU): Die Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung ist ein chronisches Problem, das zahlreiche Ursachen hat: Veränderte Nahrungsgewohnheiten in großen Schwellenländern, klimabedingte Ernteausfälle, Spekulationen oder vermehrte Produktion von Biokraftstoffen. Die tieferen Ursachen für die heutige Krise liegen nach Auffassung des Weltagrarrates jedoch vorrangig in der jahrzehntelangen Vernachlässigung des kleinbäuerlichen Sektors, in unfairen Handelsbestimmungen, korrupten Regierungen sowie im Verkauf der Nahrungsmittel-Überschüsse der Industrieländer zu Dumpingpreisen. Diese Faktoren, verbunden mit der Abhängigkeit von einer umweltschädlichen, industriellen Landwirtschaft, haben zu einer Vernichtung regionaler Anbaustrukturen und -gemeinschaften auf der ganzen Welt geführt.

Hunger ist also ein Problem des Zugangs und der Verteilung, nicht der vorhandenen Menge an Nahrungsmitteln - es werden global gesehen durchaus genug Nahrungsmittel produziert. Kein Mensch im Süden wird mehr zu essen haben, wenn in Europa mehr Nahrungsmittel produziert werden. So ist die Weltgetreideproduktion allein im Jahr 2007 um fast 5% ausgeweitet worden, wovon die doppelte Weltbevölkerung – also 12 Milliarden Menschen – satt werden könnte. Weder Europa noch die USA sind daher aufgefordert, die Welt zu ernähren. Damit ist aus NABU-Sicht klar, dass Europa die Europäer ernähren muss und nicht die ganze Welt. Die Nutzung von Biomasse für energetische Zwecke hat allerdings die Frage aufgeworfen, inwieweit sie die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln einschränkt und so die Hungerproblematik verstärkt.

Welche Rolle spielt die Biomasse?
Tatsache ist, dass schon jetzt ein großer Teil der Bioenergie und der Futtermittel aus Entwicklungsländern importiert wird, mit gravierenden Folgen für die Ernährungssicherheit in den dortigen Ländern. Wertvolle Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln werden dort in industriell bewirtschaftete Plantagen und Monokulturen umgewandelt. Bei Flächenknappheit und Nutzungskonkurrenz ist es nicht mehr gerechtfertigt, die Nutzung und die staatliche Förderung von Bioenergie per se als positiv darzustellen – die politische Unterstützung der Bioenergie darf also keinesfalls ein Selbstzweck sein. Vielmehr muss sie sich daran messen lassen, welchen Nettobeitrag sie zur Erreichung der Klimaschutzziele leistet, ohne Kollateralschäden für Ernährungssicherheit und Biodiversität zu verursachen. Daher sind Biomasse-Strategien erforderlich, die einen geringeren landwirtschaftlichen Flächenbedarf beinhalten und damit Nutzungskonkurrenzen reduzieren.

Energieverbrauch und Fleischkonsum reduzieren
Zum Erreichen einer global nachhaltigen Flächennutzung sind allerdings auch Änderungen unseres Konsumverhaltens, insbesondere bei Energie und tierischen Lebensmitteln, unumgänglich. Allein eine Verringerung des Treibstoffverbrauchs der Pkw-Fahrzeugflotte um ca. 30% würde nach Berechnungen des Wuppertal-Instituts den globalen Flächenverbrauch Deutschlands deutlich vermindern. Der Klimaschutzeffekt dieser Maßnahme wäre mit rund 29,6 Millionen Tonnen Einsparpotenzial an Treibhausgasen deutlich größer als der Effekt, der durch die vorgesehenen Biokraftstoffquoten maximal erreicht werden könnte.

Auch die für den weltweit wachsenden Fleischkonsum benötigten Flächen stehen in direkter Konkurrenz zur Bioenergieproduktion, unabhängig davon, ob sie zur Eigenversorgung oder zum Export genutzt werden. Die Essgewohnheiten der Menschen in Industrieländern, aber auch die der wachsenden Anzahl wohlhabender Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind von einem hohen Fleisch- und Milchkonsum gekennzeichnet. Diese Lebensweise benötigt drei- bis viermal so viel landwirtschaftliche Nutzfläche, wie für eine vegetarische Ernährung nötig wäre. Nach Auffassung des renommierten US-Ökonomen Jeremy Rifkin gehe es daher nicht darum, ob wir Menschen oder Autos ernähren sollten, sondern "ob wir mit dem vorhandenen Getreide Menschen oder Tiere versorgen wollen". So wurden im Jahr 2002 670 Millionen Tonnen Getreide, also etwa ein Drittel der weltweiten Getreideernte, an Vieh verfüttert. Eine Verminderung des Verbrauchs tierisch basierter Lebensmittel würde somit einen sehr hohen Netto-Einspareffekt bei Treibhausgasen und Flächennutzung erbringen.

Zerstört der Anbau von Energiepflanzen die Artenvielfalt?

Zerstört der Anbau von Energiepflanzen die Artenvielfalt?

Olaf Tschimpke (Präsident NABU)

Olaf Tschimpke (Präsident NABU): Infolge des steigenden Bedarfs an Bioenergie und des hohen Preisniveaus für Agrarprodukte ist in jüngster Zeit eine deutliche Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung zu be-obachten. Dieser Trend lässt eine erneute Verarmung der biologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft befürchten. So steigen immer mehr Bauern aus den bisherigen Agrarumweltprogrammen aus, weil die Förderprämien im Vergleich zu einer Intensivproduktion nicht mehr attraktiv genug sind. Die Abschaffung der obligatorischen Flächenstilllegung in der EU hat dazu geführt, dass über die Hälfte der stillgelegten Flächen in Deutschland verloren gegangen sind. Auf knapp 3.400 Quadratkilometern wird damit Arten wie Feldlerche, Feldhase, Rebhuhn oder Grauammer die Lebensgrundlage entzogen, stattdessen wachsen dort Raps, Mais oder Getreide. Dazu kommt eine weitere Verengung von Fruchtfolgen sowie ein vermehrter Umbruch von Dauergrünland: Vor allem in Norddeutschland sind in den letzten Jahren bis zu 8 Prozent des Grünlandanteils in Ackerland umgewandelt worden, wodurch einige Bundesländer mittlerweile von der EU verpflichtet werden, Maßnahmen gegen den Grünlandumbruch zu erlassen. Da der Umbruch vielfach auf feuchten und stark humosen Standorten stattfindet, ist diese Situation sowohl für den Naturschutz als auch für den Klimaschutz äußerst kontraproduktiv.

Welchen Anteil hat der Anbau von Energiepflanzen an dieser Entwicklung?
Inzwischen wird aus Sicht des NABU immer deutlicher, wie stark diese Entwicklung die Artenvielfalt bedroht. Strittig ist bisher lediglich, wie eng der Zusammenhang mit dem zunehmenden Anbau von Energiepflanzen verbunden ist, der in Deutschland vor allem durch den hohen Anteil von Raps für die Erzeugung von Biodiesel und von Mais und anderen Getreidesorten für die Erzeugung von Biogas geprägt wird. Vor allem durch die garantierten Einspeisevergütungen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist Deutschland mittlerweile Spitzenreiter bei der Stromerzeugung aus Biomasse in Europa. Der Maisanbau zur energetischen Verwendung ist von 70.000 Hektar in 2005 auf über 900.000 Hektar in 2011 angestiegen. Bei stagnierenden Nutztierbeständen kann der zunehmende Maisanbau fast ausschließlich dem Betrieb von Biogasanlagen zugerechnet werden. Deshalb ist es auch unerheblich, dass bei einem Gesamtanteil von 2.500.000 Hektar Maisanbaufläche in Deutschland der überwiegende Teil für Futtermittel und nur ein gutes Drittel für den Energiepflanzenanbau verwendent wird. Nach Angaben des Deutschen Maiskomitees haben mittlerweile 21 Landkreise in Deutschland einen Maisanteil an der Ackerfläche von zum Teil deutlich über 50 Prozent. Die Zunahme des Maisanbaus und der anhaltende Grünlandverlust sind ein spezifisch deutsches Problem, das in anderen EU-Mitgliedstaaten auf Unverständnis stößt. Das entscheidende Problem ist die räumliche Konzentration und die langfristige Flächenbindung durch die EEG-Förderung. So geht mit dem Anbau von Energiepflanzen ein zunehmender Verzicht auf Fruchtwechsel vor allem in Form von Mais-Monokulturen für Biogas und eine Verdrängung von weniger ertragreichen Kulturen oder Agrarumwelt-Förderprogrammen einher.

Konsequenzen für den Erhalt der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft
Die Folge: Keine andere Vogelartengruppe war in den letzten Jahrzehnten von so starken und anhaltenden Bestandsrückgängen betroffen wie die Vögel der Agrarlandschaft. Die aktuellen Entwicklungen verschärfen den Trend und werden vermutlich in wenigen Jahren an den Roten Listen abzulesen sein. Seit 2007 zeigen auch zunächst zunehmende Arten deutliche Abnahmen (z.B. Wachtel, Ortolan, Grauammer), so dass zurzeit keine Feldvogelart mehr ihre Bestände halten kann; selbst die früher häufige Feldlerche hat allein zwischen 1995 bis 2009 um ein Drittel abgenommen. Die Bestandsentwicklung der meisten Arten hängt eng mit dem Verhältnis von Grünland zu Brache und zu Mais (Brache und Dauergrünland positiv, Mais negativ) zusammen. Daher sind auf regionaler Ebene bei Maisflächenanteilen von über 40 Prozent deutliche Verluste ganzer Vogelpopulationen zu erwarten. Für die Vögel, die auf Maisflächen brüten, wird dies oft zur ökologischen Falle, da der Bruterfolg im Mais aufgrund der fehlenden Nahrungsgrundlage sehr gering ist. Auch Amphibien sind vom Maisanbau zunehmend betroffen, da sie unter der späten mechanischen Bearbeitung leiden; zudem scheinen die vermehrt eingesetzten Maisfungizide hochgradig toxisch zu sein. Die Natura-2000-Gebiete sind von der negativen Entwicklung nicht ausgenommen. Für viele prioritär zu schützende Arten und Lebensräume gemäß der europäischen Naturschutzrichtlinien (FFH- und Vogelschutz) kann ein günstiger Erhaltungszustand nicht mehr gewährleistet werden. Die bisherigen Steuerungsinstrumente des Naturschutzes sind weitgehend wirkungslos, weil die Landwirtschaft in der Regel von den Verboten der Schutzgebietsverordnungen ausgenommen ist.

Dr. Gisbert Kuhn (LfL)Dr. Gisbert Kuhn (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft): Struktuveränderungen in der Landwirtschaft führen seit Jahrzehnten zu einem Rückgang der pflanzlichen und tierischen Artenvielfalt in Mitteleuropa. Davon sind sowohl das Grünland als auch Ackerland betroffen. Diese Entwicklung hält immer noch an und wird möglicherweise auch nicht so schnell beendet werden können. Das gilt auch für den Anbau von Energiepflanzen. Mais-Schläge sind ebenso wie konventionell bewirtschaftete Getreideschläge sehr arm an Ackerwildkräutern. Auch von Vögeln und Säugetieren ist bekannt, dass sie mehrheitlich von lichten Kulturpflanzenbeständen profitieren und dichte, hochwachsende Kulturen meiden.

Ist es richtig, dass der Anbau von Energiepflanzen unsere Strompreise in die Höhe treibt?

Ist es richtig, dass der Anbau von Energiepflanzen unsere Strompreise in die Höhe treibt?

Helmut Lamp (Bundesverband BioEnergie e.V.)

Helmut Lamp (Bundesverband BioEnergie e.V.): Die Kostenentwicklung der Stromerzeugung aus Kohle, Gas und Kernenergie kennt seit Jahren eine Richtung: Nach oben. Die Kostenentwicklung der  Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kennt auch nur eine Richtung: Nach unten! Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann die Wege sich kreuzen werden. Das Kosteneinsparungspotenzial der Wind- und Solarenergie ist zwar größer als das der Bioenergie, die aber auch dank ihrer Stetigkeit und als ausgleichendes Element in der regenerativen Stromproduktion unersetzlich bleiben wird.

Brauchen Energiepflanzen noch mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel als andere Kulturen?

Brauchen Energiepflanzen noch mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel als andere Kulturen?

Dr. Armin Vetter (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft)

Dr. Armin Vetter (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft): Pflanzen werden entsprechend ihrem für die Ertragsbildung notwendigen Nährstoffbedarf sowie nach den geforderten Qualitäten gedüngt.

So erhält Brotgetreide eine über den Nährstoffentzug hinausgehende Stickstoffdüngung, um die seitens der Mühlen gewünschten hohen Eiweißgehalte zu erreichen.

Im Gegensatz dazu werden für die Biogasproduktion vorrangig Stärke- und Zellulose  benötigt und für die thermische Nutzung fester Brennstoffe Pflanzen mit hohen Anteilen Hemizellulose und Lignin bevorzugt, d. h. keine stickstoffhaltigen Verbindungen. Dementsprechend ist bei diesen Produktlinien eine Düngung unter dem Entzug der wichtigsten Pflanzennährstoffe ausreichend. Mit der Rückführung der bei der Nutzung anfallenden Reststoffe, z. B. Aschen und Gärreste, in den Kreislauf Boden – Pflanze ist zudem ein weitestgehend geschlossener Nährstoffkreislauf gegeben.

Raps für die Biodieselproduktion und Weizen bzw. Roggen für die Ethanolproduktion werden in Bezug auf den Pflanzenschutz analog der Nahrungsmittelproduktion behandelt. Bei einem Anbau von Pflanzen für die Biogaserzeugung ist dahingegen eine leichte "Verunkrautung", zum Beispiel bei Ganzpflanzengetreide, tolerierbar, zudem können Fungizidbehandlungen erheblich reduziert werden. Bei Dauerkulturen wie Miscanthus, Durchwachsene Silphie oder Pappeln und Weiden im Kurzumtrieb sind Pflanzenschutzmaßnahmen nur während der Etablierungsphase in den ersten ein bis zwei Jahren erforderlich.

Hans-Bernd Hartmann (Zentrum für nachwachsende Rohstoffe NRW der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen): Als kritischer Nährstoff in der Düngung wird hauptsächlich Stickstoff betrachtet, da dieser Nährstoff sehr stark von Auswaschungen durch Niederschläge bedroht ist und so in Gewässer gelangen kann. Das Wort "Energie" lässt nicht auf einen höheren Nährstoffbedarf schließen, da die Nährstoffe genau betrachtet als Bausteine mit unterschiedlichen Funktionen dienen. Die Energie wird nach der Ernte für die Verbrennung oder Biogasnutzung aus den Kohlenstoffverbindungen gewonnen, die zuvor durch Photosynthese gebildet wurden. Vor allem thermisch genutzte Energiepflanzen, die in ihrem Rohzustand oder als Pellet verbrannt werden, haben einen im Vergleich zum Ertrag sehr geringen Düngerbedarf. Winterweizen sollte während seines Wachstums auf ca. 220 kg N/ha zugreifen können und liefert ca. 8 t/ha Kornertrag.

Agroforstsysteme, längjährig nutzbare Anlagen von Gehölzen wie Pappel oder Weide, liefern auch ohne Düngung gute Erträge von ca. 60 t/ha Frischmasse in einem Drei-Jahres-Zyklus. Mit einer zusätzlichen Düngergabe von bis zu maximal 100 kg N/ha lassen sich die Erträge steigern. Der im Vergleich zum Weizen insgesamt geringere Düngebedarf resultiert vor allem aus dem Erntetermin. Wenn die Beerntung im zeitigen Frühjahr zwischen Februar und April durchgeführt wird tragen die Gehölze keine nährstoffreichen Blätter. Zudem wurden viele Nährstoffe für die Überwinterung in bodennahen Überdauerungsorganen gespeichert und stehen beim Austrieb erneut zur Verfügung. Der geerntete Stamm beinhaltet hauptsächlich zuvor aus der Luft gewonnenen Kohlenstoff.

Für die Nutzung von Pflanzen in der Biogasanlage verläuft die Betrachtung ein wenig differenzierter. In diesem Fall muss viel Grünmasse zur Vergärung geerntet werden. Diese beinhaltet auch die zahlreichen Makro- und Mikronährstoffe. Eine erhöhte Düngung von Mais und Getreide gegenüber einer Nutzung als Futter- oder Nahrungsmittel ist nicht festzustellen. Als Beispiel für alternative Energiepflanzen dient die Durchwachsene Silphie, die mit einem empfohlenen Stickstoffbedarf von bis zu 160 kg/ha unter dem empfohlenen Betrag für die Weizendüngung liegt.
Ein wesentlicher Vorteil der Nutzung in der Biogasanlage im Vergleich zum Verkauf auf dem Markt ist eine geschlossene Nährstoffkette. Über die geerntete Grünmasse werden dem Acker viele Nährstoffe entzogen. Diese müssen durch Düngung wieder ersetzt werden. Da in der Biogasanlage in erster Linie der Kohlenstoff mikrobiell umgesetzt wird, bleiben die Nährstoffe erhalten und werden nach der Vergärung als Gärrest auf dem Acker ausgebracht von dem sie stammen. So wird der Dünger praktisch nur hin und her transportiert, bleibt dem System aber erhalten.

Die Betrachtung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes ist deutlich einfacher. Wird beispielsweise angebautes Getreide als Substrat für die Biogasanlage verwendet, so erfolgt die Ernte der gesamten Pflanze (Ganzpflanzensilage - GPS) in einem noch grünen Stadium und somit deutlich früher als zur Körnernutzung. Viele pilzliche Erreger treten erst in späteren Wachstumsstadien auf und müssen für ein qualitativ einwandfreies Erntegut zur Körnernutzung bekämpft werden. Aufgrund des früheren Erntetermins von Ganzpflanzengetreide erreichen Erreger in der Regel kein kritisches Stadium und müssen daher auch nicht bekämpft werden. Diese Pflanzenschutzmittel werden somit eingespart.

Beim Anbau alternativer Energiepflanzen kann auf den Einsatz von Insektiziden (gegen Insekten) und Fungiziden (gegen pilzliche Erreger) in der Regel vollständig verzichtet werden. Dies liegt an dem noch sehr geringen Anbauumfang alternativer Pflanzen. Schädlinge haben sich auf diese Wirtspflanze noch nicht spezialisiert und werden daher auch nicht von ihr angelockt.

Ist die Ausbringung von Gärresten aus Biogasanlagen ein gesundheitliches Risiko?

Ist die Ausbringung von Gärresten aus Biogasanlagen ein gesundheitliches Risiko?

Dr. Michael Lebuhn (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft)

Dr. Michael Lebuhn (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft): Nach den bisherigen Erkenntnissen der Wissenschaft birgt die Ausbringung von Gärresten keine gesundheitlichen Risiken, sofern die entsprechenden Verordnungen befolgt werden und in der die Prozesskette nach Guter Landwirtschaftlicher Praxis vorgegangen wird.

Generell werden Krankheitserreger im Biogasprozess reduziert oder, manche verbleiben in praktisch unveränderter Konzentration (z.B. bakterielle Sporenbildner). Dabei ist die Hygienisierung mit steigender Temperatur und Verweilzeit verstärkt. Eine Vermehrung eines Krankheitserregers im Biogasprozess ist noch nicht gezeigt worden.

Die hygienische Qualität im Gärrest hängt damit primär von der hygienischen Qualität in den Substraten ab. Weiterhin muss ein lateraler Eintritt von Krankheitserregern in den Prozess ausgeschlossen werden.

Professor Dr. Jörg Michael Greef (Julius Kühn-Institut): Soweit die bisherigen Untersuchungen zeigen, ist von keinem gesundheitlichen Risiko durch die Gärreste auszugehen. Auch bei der Ausbringung und der anschließenden Einarbeitung ist kein Risiko bekannt.

Gibt es eine Kontrolle über die Herkunft der Rohstoffe und berücksichtigt diese Nachhaltigkeitskriterien?

Gibt es eine Kontrolle über die Herkunft der Rohstoffe und berücksichtigt diese Nachhaltigkeitskriterien?

Hans-Bernd Hartmann (Zentrum für nachwachsende Rohstoffe NRW der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen): Die deutschen Landwirte stellen jährlich Anträge auf Flächenprämien. In diesen Anträgen müssen die angebauten Kulturen auf den Ackerflächen schlaggenau angegeben werden. Stichprobenkontrollen bezüglich dieser Angaben werden in den Bundesländern regelmäßig durchgeführt.

Für den Einsatz von Substraten in der Biogasanlage gibt es im erneuerbaren Energiengesetz (EEG) unterschiedliche Vergütungssätze in Abhängigkeit von dem Substrat. So gibt es beispielsweise für den Einsatz von Mist, Gülle, Blühstreifen und Durchwachsene Silphie eine höhere Vergütung für den daraus produzierten Strom als beim Einsatz von Mais oder Ganzpflanzensilage.
Zudem stellt die EEG-Vergütung auch Anforderungen an die Effizienz und somit auch an die Nachhaltigkeit der Anlage. Maximal 60% der eingesetzten Rohstoffe dürfen aus Mais oder Getreide bestehen. Zusätzlich müssen Anlagen, die weniger als 60% Gülle als Substrat verwenden, mindestens 60% ihrer produzierten Wärme sinnvoll nutzen. Diese Vorgaben des EEG müssen von den Anlagenbetreibern über Betriebstagebücher dokumentiert und über Umweltgutachter geprüft werden.

Für den Anbau nachwachsender Rohstoffe gelten eine Reihe von Verordnungen. So gibt die Düngeverordnung maximale Düngemengen und auch Düngetermine vor und regelt teilweise auch die Verfahren der Ausbringung. Zudem müssen weitere Bewirtschaftungsauflagen (Cross-Compliance-Regelung) eingehalten werden, die Standards im Umwelt- und Bodenschutz und zum Erhalt von Dauergrünland vorschreiben. Diese und auch weitere Regelungen dienen unter anderem der Nachhaltigkeit. Bei Verstößen drohen finanzielle Sanktionen. Landnutzungsänderungen, bei denen unter Umständen durch die Zerstörung intakter Wälder mehr Treibhausgase emittiert werden, als später durch den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen eingespart werden, sind somit nicht ohne Weiteres möglich. Dies gilt jedoch nur für den Anbau in der EU mit den genannten hohen Auflagen. Da die Transportwürdigkeit von nachwachsenden Rohstoffen zur Verbrennung oder Biogasnutzung wegen der geringen Dichte der Rohstoffe und den hohen Transportkosten sehr gering ist, werden solche Rohstoffe auch nicht importiert. Der Import von nachwachsenden Rohstoffen ist nur für Biokraftstoffe und flüssige Biobrennstoffe wirtschaftlich. Um nicht durch solche ökonomischen Vorzüglichkeiten den Abbau von Regenwäldern oder Naturschutzgebieten und die dortige Anlage von Plantagen zu fördern ist die Nachhaltigkeit der Ware über Zertifikate nachzuweisen. Weltweit werden im Biokraftstoffsektor daher Nachhaltigkeitszertifikate, wie z.B. das ISCC, etabliert und gefördert. Als Mindestanforderung in der EU wird derzeit eine verringerte Treibhausgasemission von mindestens 35% der flüssigen Biobrenn- und Biokraftstoffe im gesamten Produktionsverlauf im Vergleich zu fossilen Energieträgern erwartet. Ab 2017 soll die Einsparung sogar 60% betragen.

Was tun wir gegen die Maiswüsten und Monokulturen? Gibt es Alternativen?

Was tun wir gegen die Maiswüsten und Monokulturen? Gibt es Alternativen?

Werner Kuhn, Preisträger des Naturschutzpreises 2010: Bei der energetischen Nutzung von z.B. Mais kann die Fläche durch Blühstreifen am Rand und sogar im Bestand für sehr viele Wildtierarten wie z.B. Schmetterlinge, Bienen, Hase, Rebhuhn usw. als wertvoller, temporärer Lebensraum in der Agrarlandschaft deutlich aufgewertet werden. Da Mais nach guter fachlicher Praxis angebaut wird, sät der Landwirt oftmals nach der Getreideernte im Vorjahr eine überwinternde Zwischenfrucht aus Blühpflanzen wie Senf, Phazelie oder Buchweizen, die dann über Winter für die Wildtiere Schutz bieten den Boden gesund erhalten, vor Erosion schützen und die Nährstoffe wie Stickstoff (Nitrat) und Phosphor im Boden festhalten damit sie nicht ins Grundwasser gelangen. Im Frühjahr wird dann der Mais in die abgefrorenen Zwischenfruchtbestände direkt eingesät.

Ist der Anbau von Energiepflanzen ökologisch und sinnvoll?

Ist der Anbau von Energiepflanzen ökologisch und sinnvoll?

Dr. Armin Vetter (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft)

Dr. Armin Vetter (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft): Pflanzen entziehen aus der Atmosphäre Kohlendioxid und geben Sauerstoff an diese ab. Über die Photosynthese wird das schädliche Klimagas Kohlendioxid in hochmolekulare, für den Menschen zu seiner Energieversorgung notwendige Inhaltsstoffe wie Stärke, Zucker, Öl oder Zellulose synthetisiert.

Der Anbau und die Nutzung von pflanzlicher Biomasse ist damit vor dem Hintergrund des Klimaschutzes grundsätzlich ökologisch sinnvoll. Grundsätzlich gilt für die Nonfood- wie für die Fooderzeugung, dass bestimmte Anbaukonzentrationen in der Fruchtfolge bzw. einer Region nicht überschritten werden dürfen. Dies gestaltet sich für die traditionelle Landwirtschaft immer schwieriger. Nach Angaben der FAO gingen seit 1990 weltweit 75 % der genetischen Vielfalt landwirtschaftlicher Kulturen verloren. Durch den Druck des Weltmarktes bei Nahrungs- und Futtermitteln auf die Erzeuger konzentriert sich der Anbau von Nahrungs- und Futterpflanzen regional auf immer weniger Kulturen. Nur über den Anbau von Energiepflanzen ergibt sich die Möglichkeit, das Kulturpflanzenspektrum in der Kulturlandschaft nennenswert zu erweitern. So können mit Agroforstsystemen Strukturelemente, die als Rückzugsgebiete für viele Tierarten dienen, in den Agrarraum integriert werden. Mit der Durchwachsenen Silphie, Blühmischungen mit Ackerwildkräutern, Ganzpflanzengetreide, Hirse oder mehrjährigen Ackerfuttermischungen stehen zahlreiche neue bzw. zum Teil weitgehend verdrängte Fruchtarten für den Anbau und damit der Erhöhung der Biodiversität zur Verfügung. Viele der aufgeführten Fruchtarten tragen zudem über ihre langjährige Bodendeckung bzw. der Möglichkeit der Kombination mit Zwischenfrüchten zur Erosionsvermeidung bei.

Professor Dr. Jörg Michael Greef (Julius Kühn-Institut): Der Anbau von Pflanzen geschieht zu Herstellung von Lebensmitteln. Dazu werden Kultur- und Nutzpflanzen zu Nahrungs- und Futterzwecken angebaut. Die Futterpflanzen werden zu Fleisch- und Milchprodukten veredelt.

Nachwachsende Rohstoffe werden zur stofflichen Verwertung und energetischen Verwendung ebenfalls angebaut.

Grundsätzlich ist der Anbau dieser Kulturpflanzen ökologisch vertretbar.

Die Entscheidung, welche Kulturarten angebaut werden, trifft der Landwirt unter seinen betriebsökonomischen Rahmenbedingungen. Die Wahl der Verwendung der Rohstoffe ist demnach aus den Gesichtspunkten sinnvoll und nachvollziehbar. Unter volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten ist diese Thematik in einem Diskurs zu betrachten, der noch offen ist.

Ist es richtig, dass Energiepflanzen gegenüber Schädlingen besonders anfällig sind und daher einen extrem hohen Pestizidbedarfhaben?

Ist es richtig, dass Energiepflanzen gegenüber Schädlingen besonders anfällig sind und daher einen extrem hohen Pestizidbedarfhaben?

Werner Kuhn, Preisträger des Naturschutzpreises 2010: Gerade die Biogasproduktion eröffnet die Möglichkeit anders wie bei der Nahrungs- und Futtermittelproduktion  unterschiedlichste Pflanzenarten und Sorten in Reinsaat und  in Mischung anzubauen und den gesamten Aufwuchs an die Methanbakterien zu verfüttern.

Durch diese besondere Eigenschaft können unterschiedliche Anbausysteme mit alten und neuen Kulturarten, aus einjährigen Pflanzen wie Sonnenblumen, Malven, Steinklee usw. aber auch mehrjährigen Pflanzen wie die Becherpflanze, Virginische Malve, Flockenblume, Reinfarn und Beifuß als Einzelarten und in Mischungen zum Einsatz kommen. Daraus resultierende Anbausysteme mit unterschiedlichen Ernte- und Anbauterminen, sowie die Neugestaltung von Fruchtfolgen führen zu einer Veränderung bisher eintöniger Agrarlandschaften.  Mehrjährige Anbausysteme tragen zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft bei. Die ganzjährige Bodenbedeckung schützt vor Erosion durch Wind und Wasser, mindert die Nährstoffauswaschung, erhält den Humus und ist für viele Tierarten des Offenlandes ein wertvoller  Lebensraum. Mehrjährige Anbausysteme  benötigen nur wenig oder gar keine Pflanzenschutzmittel.

Wären Energiepflanzen auch ohne Förderung konkurrenzfähig?

Wären Energiepflanzen auch ohne Förderung konkurrenzfähig?

Prof. Dr. Friedrich Kuhlmann (Universität Gießen): Noch nicht.

Sind Naturschutz und der Anbau von Energiepflanzen miteinander zu vereinbaren?

Sind Naturschutz und der Anbau von Energiepflanzen miteinander zu vereinbaren?

Udo Hemmerling (Deutscher Bauernverband)

Udo Hemmerling (Deutscher Bauernverband): In Deutschland und Europa sorgen verschiedene Schutzgesetze dafür, dass Energiepflanzen nur auf bestehenden Acker-, Grünland- oder Waldflächen angepflanzt werden dürfen. Zudem regeln viele Fachgesetze (z.B. Dünge-, Pflanzenschutzgesetz) den Anbau von Energiepflanzen in gleicher Weise wie den Pflanzenbau für Lebensmittel und Futtermittel. Beim Erlass dieser Gesetze wird auf  Umwelt- und Naturschutzbelange geachtet.

Darüber hinaus betreiben viele Landwirte auf ihren Flächen freiwillige Naturschutzmaßnahmen, z.B. späte Mahd auf dem Grünland oder Blühstreifen auf dem Acker. Diese Möglichkeiten werden mehr und mehr auch bei Energiepflanzen genutzt. In den Bundesländern gibt es hierzu spezifische Förderprogramme, die die Mehrkosten bzw. Mindererträge von Agrarumweltmaßnahmen ausgleichen. Etwa 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands befindet sich in solchen Förderprogrammen.

Energiepflanzen und Naturschutz lassen sich ebenso vereinbaren wie sich der Anbau von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen mit dem Naturschutz vereinbaren lässt.

Ist die energetische Verwertung von Holz effizient und nachhaltig?

Ist die energetische Verwertung von Holz effizient und nachhaltig?

Prof. Dr.-Ing. Frank Scholwin (Wissenschaftlicher Geschäftsführer, DBFZ Deutsches BiomasseForschungsZentrum gemeinnützige GmbH) Bildquelle: DBFZ/Jan Gutzeit

Prof. Dr.-Ing. Frank Scholwin (Wissenschaftlicher Geschäftsführer, DBFZ Deutsches BiomasseForschungsZentrum gemeinnützige GmbH): Die energetische Verwertung von Holz ist grundsätzlich als effizient und nachhaltig anzusehen, es sind aber einige Bedingungen zu beachten. Bei der Nutzung von Althölzern ist die energetische Verwendung jeglicher Entsorgung klar vorzuziehen, solange sie in Anlagen erfolgt, die die einschlägigen Emissionsanforderungen einhalten. Sie stellt oft die einzige effiziente Nutzungsmöglichkeit für Altholz dar, wird in Deutschland aber auch sehr umfassend angewendet. Wenn keine Altholz sondern Holz aus der Forstwirtschaft oder aus Kurzumtriebsplantagen aus der Landwirtschaft eingesetzt wird, muss die Holzbereitstellung nachhaltig erfolgen, d.h. der kontinuierliche Holzaufwuchs und die Bodenfruchtbarkeit gewährleistet bleiben. Darüber hinaus sollten keine ggf. höherwertigen Nutzungswege für Holz im Sinne einer Konkurrenz negativ beeinträchtigt werden. Perspektivisch ist zu erwarten, dass Holz in Kaskaden genutzt wird. Dies bedeutet, dass zuerst eine stoffliche Nutzung von Holzkomponenten bzw. Holzinhaltsstoffen erfolgt, z.B. in Bioraffinerien. Nur Reststoffe und nicht sinnvoll alternativ nutzbare Bestandteile von Holz werden dann zur Energiebereitstellung verwendet.

Was halten Sie grundsätzlich von der Bioenergie unter den Erneuerbaren Energien?

Was halten Sie grundsätzlich von der Bioenergie unter den Erneuerbaren Energien?

Prof. Dr.-Ing. Frank Scholwin (Wissenschaftlicher Geschäftsführer, DBFZ Deutsches BiomasseForschungsZentrum gemeinnützige GmbH) Bildquelle: DBFZ/Jan Gutzeit

Prof. Dr.-Ing. Frank Scholwin (Wissenschaftlicher Geschäftsführer, DBFZ Deutsches BiomasseForschungsZentrum gemeinnützige GmbH): Die Bioenergie ist als essentieller Bestandteil eines zunehmend erneuerbaren Energiesystems anzusehen. Biomasse ist neben Wasser in Pumpspeicherkraftwerken oder Talsperren und der Erdwärme die einzige natürlich speicherbare Energie und wird eine wichtige Rolle beim Ausgleich der Fluktuationen von Wind- und Solarenergie einnehmen. Darüber hinaus gibt es Energiebedarfe, die durch andere erneuerbare Energiequellen nicht gedeckt werden können. Dies sind beispielsweise Kraftstoffe für den Schwerlast- und den Flugverkehr. Hier sind Biokraftstoffe perspektivisch nicht wegzudenken. Darüber hinaus bietet im Wettstreit um die Reduktion der Klimagasemissionen ausschließlich Biomasse die Chance, auch nach einer energetischen Nutzung, Kohlenstoff aus der Biomasse z.B. durch hydrothermale Karbonisierung oder ähnliche Verfahren festzulegen und als langfristige Kohlenstoffsenke in den Boden einzulagern.

Prof. Dr. Gabriele Broll (Universität Osnabrück): Die Bioenergie ist ein unabdingbarer Bestandteil der Erneuerbaren Energien. Bioenergie ist grundlastfähig und speicherbar, so dass Schwankungen der Wind- und Solarstromerzeugung ausgeglichen werden können. Die Erzeugung von Bioenergie muss jedoch nachhaltig erfolgen. Dazu sind Aspekte des Boden,- Wasser- und Landschaftsschutzes sowie des Klimaschutzes gleichberechtigt zu betrachten. Aufgrund der begrenzten zur Verfügung stehenden Fläche ist die Effizienz des Bioenergieanbaus relevant.  Die verschiedenen Bioenergielinien sind für sich zu bewerten.

Die Bioenergie stellt einen wichtigen Faktor für die Land- und Forstwirtschaft dar und  belebt die Wirtschaft in ländlichen Räumen.

Die Energiewende und der Ausbau Erneuerbarer Energien werden nur mit dem Ausbau der Bioenergie möglich sein.

Sind Energiepflanzen die Ursache für weltweite Preisexplosionen und Hunger?

Sind Energiepflanzen die Ursache für weltweite Preisexplosionen und Hunger?

Helmut Lamp (Bundesverband BioEnergie e.V.)

Helmut Lamp (Bundesverband BioEnergie e.V.): Laut Welternährungsorganisation (FAO) werden in Tansania von 50 Mio. Hektar Landwirtschaftsfläche nur noch 10 Mio. Hektar bewirtschaftet – die afrikanischen Landwirte können wegen niedriger Agrarpreise ihre Felder nicht mehr bestellen. Das kann ich als deutscher Bauer gut nachvollziehen. 1970 freute ich mich als Junglandwirt über einen Preis von 46 DM für 100 Kilo Weizen. Dann verfielen die Agrarpreise - Getreide wurde förmlich "verramscht". Heute haben wir wieder vergleichbare Weizenpreise wie vor vierzig Jahren! Preisexplosion bei Agrarrohstoffen???

Prof. Dr. Friedrich Kuhlmann (Universität Gießen): Nein.

Verändert der Energiepflanzenanbau unsere Kulturlandschaft?

Verändert der Energiepflanzenanbau unsere Kulturlandschaft?

Prof. Dr. Gabriele Broll (Universität Osnabrück)

Prof. Dr. Gabriele Broll (Universität Osnabrück): Die Kulturlandschaft ist der Ausdruck einer durch angepasste Nutzung ("Kultivierung") von Menschen gestalteten Natur und damit unsere eigentliche Umwelt (Haber  2006). Wenn sich die Agrarstruktur und die Produktionsweisen in einer Region ändern, wird sich auch die Kulturlandschaft ändern. Für die Bewohner einer Region sind in erster Linie Veränderung von Wald zu Offenland oder die Beseitigung von Hecken und die Begradigung von Gewässern auffällig und werden nicht akzeptiert. Der Energiepflanzenanbau findet aber heute und auch in Zukunft auf schon seit langem landwirtschaftlich genutzten Flächen und in Fruchtfolge mit dem Anbau von Futter- und Nahrungsmitteln statt. Die angebauten Energiepflanzen stammen überwiegend aus dem Spektrum der bekannten Nahrungs- und Futterpflanzen.  Zuckerrüben und Getreide werden zur Produktion von Bioethanol, Raps wird zur Erzeugung von Pflanzenöl und Biodiesel, Mais, Getreide, Gras und Zuckerrüben werden zur Biogaserzeugung angebaut.  Häufig ist im Feld keine Unterscheidung der Nutzungsrichtung Nahrungs- und Futtermittel oder Energiepflanze möglich. Damit wird das grundsätzliche Bild der Kulturlandschaft durch diese Art des Energiepflanzenanbaus nicht verändert. Das Spektrum der in einer Region angebauten Kulturen und die Anteile der einzelnen Kulturen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Region ändern sich jedoch schon und wirken sich auf das Landschaftsbild aus. Während der Anbau von Raps aufgrund des Blühaspektes als Bereicherung gesehen wird, wird der Maisanbau häufig negativ gesehen. Daher wurden im Erneuerbaren Energien Gesetz ab dem Jahr 2012 Anreize geschaffen, in Zukunft alternative Energiepflanzen, wie Wildpflanzenmischungen, Dauerkulturen, wie die durchwachsene Silphie und spezielle Gräser sowie Kurzumtriebsplantagen verstärkt zu erforschen und anzubauen.  Solche Flächen können neben der Energieproduktion auch Funktionen für den Arten- und Biotopschutz sowie den Boden- und speziell den Erosionsschutz haben und das Landschaftsbild bereichern.

Dr. Jürgen Metzner (Deutscher Verband für Landschaftspflege): Kulturlandschaften sind von Menschenhand geschaffen. Mit Beginn der Sesshaftigkeit entwickelte der Mensch seine Umgebung entsprechend seinen Ansprüchen und Bedürfnissen. Die Rodung des Waldes, die Anlage von Feldern und Wiesen, der Bau von Siedlungen schufen ein anderes Gesicht. Durch die kleinbäuerliche Landwirtschaft entstand eine arten- und strukturreiche Kulturlandschaft, angepasst an die regionalen Voraussetzungen. Bis in die Gegenwart unterliegt diese einem stetigen Wandel.

Die Nutzung von Energiepflanzen birgt Chancen und Risiken. Wiesen, deren Aufwuchs als Viehfutter keine Verwendung mehr findet, drohen brachzufallen. Sie werden nicht mehr gemäht, wodurch sie nach und nach verbuschen und die artenreiche Pflanzengesellschaft verschwindet. Hier kann die energetische Nutzung des Grünlandaufwuchses die weitere Bewirtschaftung und die Vielfalt der Kulturlandschaft sichern.

Zugleich besteht jedoch das Risiko der Intensivierung. Grünland wird zugunsten des Energiepflanzenanbaus umgebrochen oder aufgeforstet. Eintönige und strukturarme Landschaftsbilder entstehen.

Ziel muss es daher sein, Energiepflanzenanbau mit dem Erhalt einer strukturreichen Kulturlandschaft zu verbinden. Das leistet etwa die Ansaat blütenreicher Wildpflanzen anstelle  von Mais oder die Verwendung extensiven Grünlandaufwuchses in Biogasanlagen.

Welcher Energiepflanzen-Nutzungspfad weist die beste Ökobilanz auf?

Welcher Energiepflanzen-Nutzungspfad weist die beste Ökobilanz auf?

Dr. Jürgen Metzner (Deutscher Verband für Landschaftspflege): Die sinnvollste energetische Nutzung von Pflanzen ist diejenige, welche am kostengünstigsten Treibhausgase verringert und am effizientesten fossile Energieträger wie Kohle oder Erdöl ersetzt.

In der Produktion hat Landschaftspflegematerial die beste Ökobilanz. Hecken, Streuobstwiesen, Feuchtwiesen und Heiden liefern Jahr für Jahr Energie in Form von Biomasse. Und das ohne gezielten Anbau und unter Verzicht auf Düngemittel und Pestizide. Zudem führt der Erhalt der bestehenden Vegetation (z.B. Grünland, Niedermoor) zur Sicherung von Böden und deren Speicherfunktion von Treibhausgasen.

Ein weiteres Maß für die Ökobilanz ist der Wirkungsgrad der energetischen Verwertung. Dieser beschreibt beispielsweise das Verhältnis zwischen zugeführter Energie und der nach Verbrennung zur Verfügung stehenden Wärme.

Wirkungsgrad und Ökobilanz sind am besten bei der Wärmegewinnung aus fester Biomasse (z.B. Holz) oder aus Biogas, das durch die Vergärung von Pflanzen in Biogasanlagen gewonnen wurde.

Darauf folgt die Nutzung der Biomasse zur Stromproduktion bei gleichzeitiger Wärmenutzung. Dieser Vorgang wird auch Kraft-Wärme-Kopplung genannt und ist in jedem PKW praktisch zu erleben, wenn Sie das Radio (Strom) und die Heizung (Wärme) einschalten.

Ein jedoch ungünstigerer Nutzungspfad ist die Umwandlung der festen Pflanzen in flüssige Treibstoffe wie Pflanzenöl (Rapsöl), Biodiesel (Rapsmethylester) oder Bioethanol (aus Weizen, Rüben oder Zuckerrohr). Diese Umwandlung verbraucht einen Teil der Energie und führt zu einem schlechteren Wirkungsgrad, folglich auch zu einer schlechteren Ökobilanz.

Bedeuten Energiepflanzen für den Landwirt eine zusätzliche Belastung?

Bedeuten Energiepflanzen für den Landwirt eine zusätzliche Belastung?

Herbert Geißendörfer (Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf): In der Regel bedeuten Energiepflanzen für den Landwirt  keine Belastung, da es sich lediglich um einen anderen Produktionszweig handelt und in der Regel die übliche Technik eingesetzt werden kann.

Eine gewisse Ausnahme stellt der Energiewald dar, da die Entetechnik eher nicht vorhanden ist.

Verdrängen Energiepflanzen einheimische Pflanzen?

Verdrängen Energiepflanzen einheimische Pflanzen?

Herbert Geißendörfer (Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf): Pauschal können wir nach unseren derzeitigen Erfahrungen sagen, dass Energiepflanzen in Ackerkultur im Normalfall einheimische Arten nicht stärker verdrängen, als der konventionelle Ackerbau, wenn man gezüchtete Sorten von schon in Kultur befindlichen Arten verwendet. Bei der Verwendung von Wildarten ist die Gefahr der Verdrängung schon gegeben. Da die Energiepflanzen in der Regel größere Massen entwickeln, können sie, wenn sie auswildern, einheimische Arten schon stärker gefährden.

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